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Geliebte Einsamkeit
Eigentlich hatte ich ja angekündigt, gestern bereits aus dem kurzen Urlaub zurückzukehren. In der Tat war ich bereits seit Dienstag Nachmittag daheim, musste aber erst etwas enorm Wichtiges erledigen: Meine Einsamkeit genießen. Leider wurde der Genuss etwas von einer bösen Erkältung getrübt, die mich seit einigen Tagen plagt, aber es ist dennoch herrlich, wieder daheim zu sein, und noch viel herrlicher, wieder allein zu sein. Ich habe beschlossen, endlich dazu zu stehen, dass ich eher ein Einzelgänger bin. Das bedeutet nicht, dass ich generell keine Gesellschaft mag – hin und wieder begebe ich mich sehr gerne unter Menschen, suche aber noch nach welchen, die meine Interessen teilen. Meinem bisherigen Freundeskreis habe ich mich schrittweise entfremdet, ein neuer ist noch nicht gefunden, aber eigentlich finde ich das gar nicht so schlimm.
Ich habe ein paar Menschen, auf die ich mich verlassen kann. Und dann gibt es noch wenige, bei denen ich mir nicht sicher bin, wo die Freundschaft hingehen soll. Das liegt unter anderem daran, dass ich sehr impulsiv bin und nicht gerne lange im Voraus plane. Wenn ich mich heute für in zwei Wochen zum Essen verabrede, kann es sein, dass ich gerade dann besonders viel zu tun habe und daher eigentlich lieber am Computer sitzen und in den Abendstunden ein wenig ausspannen würde, anstatt mit jemand anderem zu kochen, weil ich weiß, dass ich den freien Abend mit stressigen Tagen bezahlen werden müsse. Wer etwas mit mir unternehmen will, soll mich spontan fragen – oder sich an einem Sonntag mit mir treffen, den halte ich mir üblicherweise frei. Weil das so ist, eignet sich auch der Samstagabend sehr gut zum ausgehen. Nur habe ich dazu meistens keine Lust. Ich finde eine Tasse Kakao oder Tee oder ein Glas Wein auf dem Sofa, kombiniert mit einem guten Film oder einem interessanten Buch, meist viel verlockender, als in die Stadt zu fahren. Ausnahmen gibt es: Ich gehe gerne ins Theater, gelegentlich auch mal ins Kino. Aber ich bin keine Kneipengängerin, war seit Jahren in keiner Disco mehr und fühle mich unwohl, wenn zu viele Menschen auf engem Raum zusammen kommen. Früher dachte ich mal: Das ist doch nicht normal, alle finden das doch toll. Heute denke ich: Ich bin so, das ist in Ordnung. Die Hauptsache ist doch, dass ich mit mir klar komme, schließlich bin ich der einzige Mensch, der 24 Stunden am Tag mit mir zusammen sein muss.
Veröffentlicht unter: Alltägliches, Das Leben