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Wer denkt eigentlich mal an uns Selbständige und Freiberufler?


Als politisch interessierter Mensch verfolge ich natürlich auch die Debatten im Fernsehen und die Berichte in den Medien. Vielleicht liegt es auch daran, dass ganz Deutschland immer noch im Wahlkampf steckt, allerdings habe ich schon länger beobachtet, dass manche Gruppen in den Diskussionen so gut wie gar nicht berücksichtigt werden.  Ich bin beileibe keine Anhängerin der FDP, und ich halte Steuersenkungen bei der aktuellen Staatsverschuldung für absolut unsinnig, auch wenn ich davon letztendlich profitieren würde. Darum geht es mir aber gar nicht, sondern vielmehr um die immer wiederkehrende Behauptung, Steuersenkungen würden nur den Wohlhabenden nützen. Natürlich ist es Fakt, das Niedriglöhner keine Einkommensteuer bezahlen. Und es ist mehr als bedauerlich, dass es überhaupt Menschen gibt, deren Jahresverdienst die Bemessungsgrenze von derzeit 8.004 Euro nicht übersteigt. Fakt ist aber auch, dass es viele Menschen gibt, die nicht wohlhabend sind und dennoch Steuern bezahlen. Es geht also nicht nur um die Gutverdiener, sondern auch um ganz normale Angestellte, die oft kaum mehr zum leben haben als jemand, der von staatlicher Unterstützung lebt. Trotzdem suchen viele Menschen verzweifelt nach Arbeit, auch wenn sie damit finanziell leider häufig nicht besser dastehen. Auch darüber wird in politischen Debatten aber hinreichend diskutiert – schade nur, dass dabei bisher noch keine vernünftige Lösung heraus gekommen ist, aber aufgrund der Komplexität der Politik habe ich dafür zumindest ein wenig Verständnis.

Was ich aber schmerzlich vermisse, ist dass sich auch einmal einer der Volksvertreter öffentlich Gedanken um die Situation von Selbständigen und Freiberuflern macht, die oft ebenfalls mehr als sparsam wirtschaften und mit wenig Geld auskommen müssen. Sicher, hin und wieder werden wir erwähnt, aber meist nur am Rande in einem oder zwei kleinen Sätzen. Anstatt dass auch unsere Sorgen und Nöte einmal öffentlich diskutiert werden, gehen wir meist unter oder werden – noch schlimmer – in einen Topf mit den Wohlhabenden gesteckt, zu denen vielleicht manche von uns, aber längst nicht alle gehören. Viele Selbständige, vor allem Einzelunternehmer, haben am Ende des Monats nämlich nicht mehr auf dem Konto als eine Kassiererin im Supermarkt. Schließlich müssen wir uns selbst um unsere Altersvorsorge kümmern, ohne dass ein Arbeitgeber einen Anteil daran zahlt. Viele von uns können sich das nicht einmal leisten – auch ich habe meine Privatrente zeitweise beitragsfrei gestellt bis absehbar ist, dass ich sie finanzieren kann.

Auch die Kosten für unsere Krankenversicherung tragen wir in voller Höhe allein. Da die freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse hierbei von einem gewissen Einkommen ausgeht, wird der Beitrag auch anhand diesem bemessen – dabei ist dieser Wert für viele von uns zu hoch angesetzt – ich habe jedenfalls bisher in keinem einzigen Monat so viel verdient. Daher entscheiden sich viele Selbständige aus Kostengründen für die oftmals günstigere Privatversicherung -  und gehören somit schon wieder zu einer verschrieenen, weil angeblich besonders privilegierten Gruppe. Fakt ist: Selbst die Privatversicherung ist für viele nur mit hohem Selbstbehalt und Basisversorgung tragbar. Die ganzen schönen Dinge, die in vielen Köpfen mit den privaten Krankenkassen in Verbindung gebracht werden, fallen für viele von uns daher weg. Mein Tarif enthält zumindest weder eine Chefarztbehandlung noch ein Einzel- oder Doppelzimmer im Krankenhaus. Ich erhalte ungefähr dieselben Leistungen wie ein gesetzlich Versicherter. Mag sein, dass meine Kasse die eine oder andere Behandlung bezahlen würde, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören, aber davon habe ich erst einmal nichts, weil ich im Rahmen meines Selbstbehalts ohnehin alle Rechnungen aus eigener Tasche begleichen muss. Dennoch komme ich so günstiger weg als in der gesetzlichen Krankenversicherung – eben weil diese bei freiwillig Versicherten von einem bestimmten monatlichen Einkommen ausgeht, das längst nicht alle Selbständigen erreichen. Selbst wenn ich dieses Jahr massive gesundheitliche Probleme bekommen und bis zu meinem Eigenanteil Rechnungen begleichen müsste, würde ich auf den Monat gerechnet nur ungefähr fünf Euro über dem Tarif in der gesetzlichen Krankenkasse liegen – bleibe ich gesund, spare ich knapp hundert Euro monatlich. Wer nun denkt, ich tue dies aus reinem Egoismus, um mehr Geld für mich zu haben und mich aus der sozialen Verantwortung zu ziehen, dem sei gesagt, dass ich mir den Beitrag in der gesetzlichen Krankenkasse schlicht und ergreifend nicht leisten könnte, da ansonsten nicht mehr genug übrig bliebe, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Natürlich war mir dies alles klar, ehe ich mich selbständig gemacht habe. Und auch wenn es nicht so klingen mag, bin ich mit meinem Beruf durchaus zufrieden. Ich kann bei schönem Wetter, wie wir es heute haben, auf dem Balkon arbeiten, und wenn ich morgens ausschlafen möchte, arbeite ich eben dafür spätabends oder nachts. Ich verdiene mein Geld mit einer Tätigkeit, an der ich Spaß habe. Das alles wird nicht annähernd aufgewogen durch die Sorgen, die dieses Leben mit sich bringt – zum Beispiel wenn sich Rechnungseingänge verzögern, man das Geld aber dringend braucht, weil der Monatserste mit seinen vielen Abbuchungen vor der Tür steht, oder das Risiko, irgendwann weniger Aufträge zu bekommen und dann noch einmal komplett umsatteln zu müssen. Das alles nehme ich gerne in Kauf – möchte aber dennoch, dass auch meine Belange von der Politik gehört und ernst genommen werden.


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Veröffentlicht unter: Festgehaltene Gedanken, Gesellschaft und Politik

3 Antworten zu "Wer denkt eigentlich mal an uns Selbständige und Freiberufler?"

  1. Und irgendwie wills keiner wissen……

    Politik ohne Verstand, oder Bürger ohne Verständnis? So ein Blog ist schon eine schöne Sache. Ich habe mir gerade noch die Nachrichten angehört. Und jetzt muss ich das einfach loswerden. Also erzähl ich es meinem Blog Am 2. Mai ist alles vorbei Gestern…

  2. [...] So wie mir geht es vielen, die selbständig tätig sind. Im Gegensatz zu einem festen Job hat man eben keinen konstanten Geldeingang, sondern kann sich manchmal kaum vor Arbeit retten und hat dann wieder eine Durststrecke, in der es finanziell eher mau aussieht. Nur wird diese Tatsache in den Medien eher selten berücksichtigt, was ich bereits in einem ausgiebigen Artikel bemängelt habe. [...]

  3. [...] weiß, dass ich über dieses Thema bereits geschrieben habe, aber das ändert schließlich nichts an der Aktualität. Gestern gab es wieder einmal eine Ausgabe [...]

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